In der Nähe unserer Stadt gibt es ein großes Fischgewässer, das in einer ehemaligen Tongrube entstanden ist. Wie oft raubt der Mensch den Tieren in Wasser, Luft und Wald den angestammten Lebensraum, doch mit den Teichen hat er ihnen eine Schutzzone geschaffen. Beim Anblick der Artenvielfalt wird mancher Wanderer versucht sein zu sagen: »Gott sei Dank«, weil ihn vielleicht eine Ahnung durchzieht und er fühlt, wie eng Tier und Mensch einander verbunden sind. Wie nah diese Bindung in uns Menschen angelegt ist, soll in der folgenden Geschichte über Herrn Bertold erzählt werden.

Die Familie des Herrn Bertold spazierte oft an schönen Sonntagnachmittagen hinaus aus der Stadt zum Schwanenteich. An einem dieser Wandertage beobachtete Herr Bertold eine aufgeregte Menschenmenge an einem der Teichmönche. Neugierig lief er hinzu und sah in dem Gitter einen gefangenen Schwan. Mit einem Flügel hing er fest und mit dem freien schlug er um sich. Fassungslos, wegen ihrer Hilflosigkeit, beobachteten die Leute das Drama, wagten nicht, sich helfend einzumischen. Da trat Herr Bertold beherzt heran. Dieser Kampf würde zweifellos mit dem Tod des schönen Tieres enden, dachte er, wobei er bereits seine Jacke abstreifte, die Hemdsärmel aufkrempelte und kurz entschlossen ins Wasser stieg. Dann geschah das seltsame: Der gefangene Schwan ließ sich ohne Widerstreben aus dem Gitter befreien. Herr Bertold trug ihn, ohne zu zögern, obschon heftig schnaufend, wegen der schweren Last, auf die andere Seite des Teiches und entließ ihn in die wiedergewonnene Freiheit, in der sein Schwanenweibchen schon ungeduldig auf ihn wartete. Während die Menschen Herrn Bertold gratulierten, ein jeder wollte ihm die Hand drücken, schwammen die beiden Schwäne ein Stück vom Ufer weg und was dann geschah, ließ die Menge erneut in Jubel ausbrechen. Brust an Brust hielten Schwan und Schwänin, nachdem sie sich in immer engeren Kreisen näherten, inne. Ihre ausgestreckten Hälse berührten sich, schienen sich umeinander zu winden. Zwei-, dreimal tauchten ihre Köpfe ins Wasser und fuhren wieder hinauf zum Schnabel des anderen. Plötzlich besprang der Schwan sein Weibchen, das seinen Hals ausstreckte und beinahe unter Wasser gedrückt wurde. Atemlose Stille herrschte am Ufer. Wenige Augenblicke vergingen, dann glitt das Männchen ins Wasser zurück, das Weibchen tauchte auf und dann geschah das Unerwartete: Ein Schwanengesang beendete den Liebesakt. Wer sang? Man wusste es nicht, aber es war wohl das Männchen. Ein Stöhnen der Bewunderung lag über den Menschen und alle waren sich einig: Ein solches Schauspiel der Natur und einen solchen Gesang noch nie gehört zu haben. Stolz schwammen die Tiere davon.

Wochen später, als Herr Bertold erneut den Teich besuchte, geschah dann etwas sehr Ungewöhnliches. Er stand am Ufer und suchte seinen Schwan. Dieser schwamm nach wenigen Augenblicken zu ihm. Aber er war nicht allein. Er kam mit seinem Schwanenweibchen und seinem Nachwuchs. Am Ufer angekommen, stieg er mitsamt seiner Familie aus dem Wasser und sie umringten den Retter. Zutraulich legte er sein Schwanenhaupt in die ausgestreckte Hand von Herrn Bertold.

Das blieb einige Jahre so. Doch irgendwann, die Kinder des Herrn Bertold waren längst fortgezogen, kam der Schwan nicht mehr.

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