Auszug aus einem Brief Johannes an seinen Freund Martin Luther

[…] Zurück zu meinen Schäfchen im Urwald.

Wie Kinder sind sie, hören die Predigt, nehmen das Abendmahl und ziehen in den Wald, um einen ihrer Feinde zu verspeisen. Einmal kamen zwei bewaffnete Indianer mit einem Kanu ins Dorf. In unserer Mission wollten sie ein christliches Leben, was sie uns mit treuen Augen versicherten, führen. Sie fanden schnell Unterkunft und Aufnahme in unserer Gemeinschaft. Bald trugen sie Kreuze an ihrem Hals, legten einen Lendenschurz um und halfen der Gemeinschaft. Eines Tages machte mich ein Späher darauf aufmerksam, dass die beiden ab und an flussaufwärts verschwanden, um danach mit einem Kanu voller Fische zurückzukehren. Was sie taten? Nun, sie aßen gemeinsam zwei kriegsgefangene Indianer. Daraufhin angesprochen, sahen sie mich treuherzig an und versprachen, diesen entsetzlichen Brauch abzulegen.

Das dreht einem doch den Magen um, wirst Du denken und Deine Frau Käthe wird sogleich schreiend aus dem Zimmer rennen. Aber es ist so, sie sind Kinder einer Natur, die uns zu großen Teilen verschlossen ist. Wollen wir sie für unseren christlichen Glauben gewinnen, müssen wir uns voller Geduld mit ihrer Natur vertraut machen.

In manchen Dörfern ist es mir schon passiert, dass ich Leute nicht mehr vorfand, die ich schon einige Zeit kannte. Sie verspeisen ihre Feinde und wundern sich, dass wir es nicht ebenso halten. Stell Dir also einmal vor, wir hätten den Papst, oder wenigstens einen seiner Legaten auf die Wartburg geladen, um ihn dort zu verspeisen. Verdient hätte er es allemal!

Martinus, es ist nicht alles eitle Freude unter dem grünen Blätterdach. Sehr schnell kann ein Schlangenbiss, ein Insekt oder die Zähne eines Raubtieres das Dasein beenden. So geschah mir das Folgende:

Am Ende der vergangenen Trockenzeit überfielen Myriaden von Fliegen, Mücken und andere Insekten die Menschen, kamen aus Tümpeln und Sümpfen. Tagelang lag ein übler, fauliger Geruch über dem Dorf. Viele wurden krank, so auch ich. Mit Fieberanfällen lag ich auf meinem Bett und plötzlich stürzten sich einige bienenartige Wesen auf mich. Sie krochen in meine Augen, meine Nase und in den Mund. Ich dachte schon, meine letzte Stunde sei gekommen. Varinaa, die schöne Tochter des Häuptlings, besuchte mich, Gott sei Dank, mehrmals am Tage. Sie befreite mich von meiner Plage, entfernte die Bienen aus meinen Körperöffnungen, linderte meine Unruhe durch einen Saft, den sie aus der Frucht des Acajubaumes herstellte. Dem Fieber begegnete sie mit einem Brei aus zerstoßenen Bananenblättern, den ich mühsam hinunterwürgte. Danach gab es vergorene Ananas. Nach ein paar Tagen war ich wieder wohlauf.

Übrigens hätte ich mich sehr gern von der Indianerin verspeisen lassen. Wenn du mehr über meine gegenwärtigen Lebensumstände wissen willst, dann erstehe dir den Bericht »Mundus Novus« des Amerigo Vespucci. Ich fand ihn in der Bibliothek deines Patenkindes.

 

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